Stimmen und Kritiken zu

K. Wyborny

Studien zum Untergang des Abendlands


--- Dear Mr. Wyborny, I had a chance to see your film "Studien zum Untergang des Abendlands" at the Rotterdam Film Festival and was left speechless.
I wanted to thank you for the best 80 minutes I spent during the festival. The images and the music still haunt me today. - Dmity Martov, 8.2.2011


Artikel von M.N. - Daily Tiger 9 / Rotterdam 2.2.2011
Kritiken im Rahmen des Forschungsseminars Viennale der Universität Wien (Februar 2011)


--- Dokumentarisches Arbeiten ist im Spielfilm, genauso wie im zeitgenössischen Theater und Tanz ein Thema, hier wie dort verschwimmen die Formen und Methoden. Dass Klaus Wybornys "Studien zum Untergang des Abendlandes" als Dokumentarfilm im Viennale Programm läuft, ist trotzdem merkwürdig. Wyborny ist ein Filmemacher in der Linie des strukturellen Films (Peter Kubelka, Kurt Krenn, Paul Sharits). Vor der Uraufführung seiner Studien verspricht er dem Publikum einen Musikfilm, Bild und Ton synchron, was ein seltener Genuss, ein Geschenk sei. Dieses Geschenk nehmen aber nicht alle im Publikum an, immer wieder gehen Leute hinaus. Dass Wyborny die Super-8-Kamera als Musikinstrument einsetzt und damit visuelle Rhythmen erzeugt, gefällt mir, genauso wie die nachvollziehbar synchrone Verknüpfung mit Zwölftonmusik.
Am Anfang bin ich gespannt dabei (meine Choreografien sind vom strukturellen Film beeinflusst, ich arbeite mit visuellen und räumlichen Rhythmen), aber mit der Zeit beginnt ein interessanter Perspektivwechsel sich meiner zu bemächtigen. Ich werde immer kritischer, was das Bildmaterial und die darunter liegende Romantik angeht. Industrieaufnahmen, deren Gerüste und Linien die kompositorische Grundlage liefern, wechseln sich mit runden, fließenden Motiven ab. Je länger der Film dauert (der Gesamtbogen ist nicht recht griffig, die letzten dreißig Minuten beginnt der Film aufzuhören, hört aber nicht auf), desto altmodischer kommt mir die Dominanz der Diagonalen, die herbeigefilmte Schönheit der Strommasten und Förderbänder vor.  - Christine Gaigg, DER STANDARD, 30. 10. 2010

PS: Das habe ich nun davon, dass ich in der letzten Kolumne über Wybornys Diagonalen gelästert habe: "Attenberg" kennt Bildkomposition nur rechtwinkelig und parallel … "Attenberg" ist statisch, der Film kümmert sich zu sehr um die Abbildung aller Ideen aufeinander und erstickt so beinahe an sich selbst. Ich glaube, die menschliche Seele braucht abwechselnd beides: Einmal die von Reizen entleerte, fokussierte, minimal gesetzte Situation, um sich zu erfrischen. Das andere Mal will sie sich dem Überbordenden, Unbegreiflichen, Überfordernden, dem Chaotischen überlassen, um sich aufzuladen. Was sie nicht braucht, ist das Dazwischen oder beides gleichzeitig, um einen Filmtitel von Alexander Kluge zu zitieren: „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod.“  - Christine Gaigg, DER STANDARD 2. 11. 2010


--- Keinen Konzertfilm, aber einen Musikfilm stellte Klaus Wyborny mit seiner neuesten Arbeit Studien zum Untergang des Abendlandes vor. Aufnahmen aus den letzten dreißig Jahren, die beispielsweise im Ruhrgebiet, in Rimini, in New York oder in Ostafrika entstanden sind, fügt Wyborny in nahezu stroboskopischer Schnittfrequenz zusammen. Industrie-, Natur- und Stadtlandschaften wechseln sich ab, oft doppelt und mehrfach belichtet, manchmal auch in Rot getaucht. Im Laufe des Films verschiebt sich dann die Horizontlinie zunehmend zur Diagonalen und das Abbildhafte der Bilder zu einem Spiel aus Formen.

Auch Wyborny nimmt eine ganz konkrete Position zur Musik  ein. Jeder neue Ton bedeutet ein neues Bild, was selbst über die Synchronität konventioneller Musikvideos hinausgeht und eine Mühsal am Schneidetisch ist. Man sieht dem Film die Arbeit an und doch ist das alles auch ein wenig langweilig. Nie entziehen sich die Bilder dem Diktat der Musik. Das An- und Abklingen eines Klaviertons bekommt etwa durch Auf- und Abblenden sein visuelles Äquivalent. Verschiebungen und Brüche, die eine Synthese oft erst spannend machen, sucht man hier vergeblich. - Michael Kienzl, 1. 11. 10, critic.de


STUDIEN ZUM UNTERGANG DES ABENDLANDES - Der Titel ist Programm, der Film selbst ein einziger Untergang, zumindest für die Augen. Improvisatorisch und blitzartig im Rhythmus von Zwölf-Ton-Stücken montierte Bilder, mehr Kunstfilm geht nicht. Mag Regisseur K. Wyborny sein Konzept noch so eloquent erläutern, er hat doch das Denken der Improvisation nie ganz überwunden. Ein Widerspruch, der weh tut. - Sebastian Müller, 29.10.2010, Denkfabrik.net


Studien zum Untergang des Abendlandes, der bei der Viennale seine Uraufführung erlebte, ist ein berauschendes, befreiendes Kino-Lied, ein «Musikfilm in 5 Teilen», eine kinematografische Komposition von höchster Abstraktion und Welthaltigkeit zugleich. Aufnahmen, gesammelt über mehr als 20 Jahre in verschiedenen Gegenden der Welt, in Ostafrika, in New York, im Ruhrgebiet, in Rimini, auf Gomera, in Hamburg. Industrielandschaften, Palmen, Hochhäuser, das Meer – aber die Aufzählung und Beschreibung kann keine Ahnung geben, in welch filmisches Magma der Regisseur seine Welt verschmilzt, rhythmisiert, befeuert. In wenigen Sekunden blitzt mehr sogenannte Wirklichkeit auf, als anderswo in ein paar Stunden Film. Wyborny forever. - Hans Hurch, Viennale 2010


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